Notfall
Wenn es passiert ist
Kurze Laufzettel für den Moment nach dem Klick. Erst isolieren, dann drehen, dann nachbereiten. Kein Drama, Reihenfolge.
- 01
Seite schließen, nichts eingeben
Falls ein Formular offen ist: nicht absenden. Tab zu. Keine Dialoge bestätigen.
- 02
War ein Login-Formular dabei?
Dann gilt das Passwort als bekannt. Auf der echten Domain — selbst getippt — sofort ändern. Nicht über den Link in der Mail.
- 03
Gleiche Passwörter anderswo rotieren
Überall, wo dasselbe Secret lief, jetzt ein neues, einzigartiges setzen. Der Passwort-Manager listet Wiederverwendungen.
- 04
2FA prüfen, Sessions kicken
Unter Konto → Sicherheit alle fremden Geräte abmelden. Authenticator neu koppeln, falls Codes abgefragt wurden.
- 05
Mail als Phishing markieren
Nicht zur Ansicht weiterleiten. Im Client als Phishing/Junk. Im Job: an Security, ohne den Link nochmal zu öffnen.
Danach
- Banking-Umsätze der letzten Tage prüfen.
- Seed-Phrase eingegeben? Wallet als verbrannt behandeln und Restguthaben in eine neue Wallet.
- Virenscan nur als Ergänzung — der Schaden sitzt meist im Konto, nicht in einer EXE.
- 01
Passwort auf der echten Seite ändern
URL selbst tippen. Das alte Secret gilt als verbrannt, auch wenn der Angriff „nur versucht“ hat.
- 02
Zweiten Faktor erzwingen
TOTP oder Hardware-Key. SMS nur falls nichts anderes geht, plus SIM-PIN.
- 03
Aktive Sitzungen beenden
Alle Geräte abmelden. App-Passwörter und alte OAuth-Freigaben widerrufen.
- 04
Wiederherstellungsweg härten
Backup-Mail und Telefonnummer: gehören sie dir? Portierungsschutz beim Provider setzen.
- 05
Lockout und Alerts
Login-Benachrichtigungen und Blocks für unbekannte Geräte aktivieren, wo der Dienst das anbietet.
Danach
- Passwort-Manager auf bekannte Leaks prüfen — das Secret nie in fremde Webseiten kippen.
- E-Mail-Konten zuerst: wer die Mailbox hat, setzt jedes andere Konto zurück.
- Im Job: IT informieren. Nicht selbst am VPN herumprobieren.
- 01
Von einem sauberen Gerät arbeiten
Nicht vom verdächtigen Handy aus reparieren. Zweites Gerät oder ein frisches Browser-Profil.
- 02
Überall abmelden
Alle Sitzungen beenden. Danach Passwort und 2FA drehen, in dieser Reihenfolge.
- 03
Weiterleitungen und Filter jagen
In Gmail/Outlook: Filter, Delegates, POP/IMAP, Autoreply. Angreifer legen stille Kopie-Regeln an.
- 04
Zahlungsmittel prüfen
Hinterlegte Karten, Lastschriften, neue Empfänger in Banking und Stores.
Danach
- Beim Provider nachfragen, ob die Rufnummer portiert wurde.
- Wichtige Kontakte kurz warnen — kompromittierte Konten schreiben als Nächstes das Adressbuch an.
- 01
Netzwerk kappen
WLAN aus, Ethernet raus. Für den Hausgebrauch reicht: Netz weg, danach Neuinstallation.
- 02
Nicht zahlen, nicht mit dem Popup sprechen
Fake-Support und Ransomware-Zahlung lösen nichts. Fenster schließen, nicht anrufen.
- 03
Von einem zweiten Gerät Konten drehen
Mail, Banking, Passwort-Tresor: Passwort plus Sessions, weil ein Keylogger mitgelaufen sein kann.
- 04
System zurücksetzen
Reset oder Neuinstallation von bekannt sauberem Medium. Backup nur, wenn es nachweislich vor dem Vorfall liegt.
Danach
- Bei Erpressung Anzeige bei Polizei / LKA. Im Job: Incident-Prozess, nicht selbst forensisch rumkopieren.
- Sobald das System sauber ist: Hardware-Keys für die wichtigsten Konten.
- 01
Zweiten Kanal erzwingen
Nummer aus dem Adressbuch, nicht aus der Mail. Rückruf oder Video. Kein Chat, der aus der Mail kommt.
- 02
IBAN gegenhalten
Neue Empfänger, geänderte Bankverbindung, künstliche Eile — das sind die drei roten Tücher.
- 03
Falls schon überwiesen
Sofort die Bank anrufen (Nummer auf der Karte, nicht aus der Suche), Recall verlangen. Polizei, interne Revision.
Danach
- Vier-Augen-Prinzip bei neuen Zahlungsempfängern festziehen.
- Den Fall intern durchsprechen — Scham hält Meldungen sonst zurück.
- 01
Eintrag sichern
Zeit, IP, User-Agent, versuchter Benutzername. Screenshot des Protokolls. Passwort wurde nicht gespeichert — so soll es bleiben.
- 02
Spur ziehen, nicht angreifen
Rückverfolgung in SCHILD: Geo und ASN sind Näherung. Kein Portscan, kein Gegen-Login, kein DDoS gegen die Adresse.
- 03
Eigene Konten prüfen
Falls der versuchte Name eines deiner echten Konten ist: Passwort dort drehen, Sessions kicken, 2FA prüfen.
- 04
Melden wenn Schaden oder Muster
CERT-Bund bei Phishing-Infrastruktur, Polizei bei konkretem Schaden. Provider-Abuse mit den Headern, nicht mit Mutmaßungen.
Danach
- Canary-URL rotieren, sobald sie in Umlauf ist.
- Köder nicht auf echten Login-Seiten verlinken — sonst fängst du dich selbst und Kunden.